Bushido

Thomas Niederbühl, Ehrenmitglied und Stadtrat

Grußwort zum 10jährigen Bestehen von BUSHIDO München e.V.

Liebe Freundinnen und Freunde,

10 Jahre für Rosa Liste im Rathaus, der ersten und einzigen schwul-lesbischen WählerInnen-Initiative, und 10 Jahre bei Bushido, einem der ersten schwul-lesbischen Sportvereine in München: das sind zwei Erfolgsgeschichten, die für mich nicht zufällig zeitgleich sind.

Denn mit der Wahl 1996 fing für mich beides an. Im Wahlkampf fühlte ich mich wehrlos mit Aggressionen, von Beschimpfungen bis Drohbriefen, konfrontiert. Also nahm ich an einem Selbstverteidigungskurs des Anti-Gewalt-Projekts im Sub teil. Doch man lernt nicht in ein paar Wochen, selbstbewusst, sicher und „aufrecht der Gewalt widerstehen“ (so das Motto des Kurses). Stattdessen lernte ich, dass auch andere vom Schulsport traumatisiert und aggressionsgehemmt sind; dass auch anderen der Kampfschrei zuerst nur gehaucht über die Lippen kommt; dass gemeinsamer Sport mit anderen Schwulen und Lesben Spaß macht, weil man ähnliche Erfahrungen hat, sich nicht erklären muss und Interessen teilt. Schließlich gehört das Miteinander nach dem Training, bei Trainingswochenenden, Lehrgängen oder Wettkämpfen entscheidend dazu.

Aber noch viel wichtiger: Karate-Meister Sebastian Kühnen hat uns Lust auf Shotokan-Karate gemacht. Wir waren fasziniert von der Tradition, den Ritualen, der Philosophie. Also wollten wir richtig einsteigen, mit Gürtelprüfungen und Wettkämpfen und allem, und gründeten einen Verein. Schließlich ist Karate auch eine Kunst, eine Kampf-Kunst fürs Leben – um aufrecht der Gewalt zu widerstehen, die wir aus unserem Alltag kennen.

Und aus der Lust wurde Liebe, wer kennt das nicht. Ich war verliebt in das Fitnesstraining der Grundschul-Techniken. Ich habe noch immer Respekt vor dem Zweikampf im Kumite. Und ich bleibe fasziniert von den Katas, mit ihren traditionellen Schrittdiagrammen, ihrem Rhythmus und ihrer Ausstrahlung.

Wie in jeder Beziehung gab es Höhen und Tiefen, Zeitmangel und Stress führten sogar zu einer längeren Pause. Aber als ich dann bei den Martial Arts Wettkämpfen, die Bushido für die Eurogames 2004 ausrichtete, nur noch Medaillen umhängte, wollte ich die alte Liebe zurück. Wenigstens einmal die Woche soll sie jetzt auch gepflegt werden.

Und der Verein hat sich verändert, ist größer geworden, neue Trainerinnen und Trainer kamen aus den eigenen Reihen dazu, die schwul-lesbische Besetzung ist jetzt gleich stark und wirklich gleichberechtigt. Es sind einfach tolle Frauen und Männer dabei. Und es macht mich auch richtig stolz, was aus unserem Verein geworden ist, in dem ich ohne Rolle und Funktion einfach trainiere.

Deshalb gilt auch mein Dank den Trainerinnen und Trainern, den Vorständen, Mitgliedern und Mit-Karatekas, die Bushido ausmachen. Und wenn meine Begeisterung als Einladung verstanden wird, Lust macht, ins Training reinzuschnuppern, um gar seine Liebe für Karate zu entdecken, wär das auch nicht verkehrt.

Uns allen wünsche ich jedenfalls für die Zukunft diesen schwul-lesbischen Bushi-Do, einen schönen und erfolgreichen gemeinsamen Weg als KriegerInnen und KämpferInnen – auch für unsere Sache.

Thomas Niederbühl

Andreas Unterforsthuber, Ehrenmitglied

Glückwünsche zum 10jährigen Jubiläum von BUSHIDO München e.V. 

12 Jahre Aufrecht der Gewalt widerstehen
10 Jahre Bushido
Ein herzlicher Glückwunsch zum Jubiläum!


Liebe Karatekas,

es ist immer eine ehrenvolle Aufgabe, für ein Jubiläum ein Grußwort schreiben zu dürfen.  Im Falle von Bushido ist es mir eine wirkliche Freude, herzlichen Dank für diese Gelegenheit.

Vor 12 Jahren ist durch die Initiative von Manfred Edinger vom Antigewaltprojekt des Sub e.V. und die Bereitschaft von Sebastian Kühnen in München erstmals ein Selbstverteidigungskurs für schwule Männer angeboten worden. 

Schon im ersten Treffen der Anfängergruppe 1994 hat Sebastian Kühnen seine Idee erläutert: nicht schnell erlernte „Hau-drauf-Techniken“, nicht scheinbare körperliche Überlegenheit können Ziel des Kurses sein. Vielmehr ging und geht es darum, eine Verbindung zu schaffen zwischen innerer Stärke, guter Wahrnehmung und dem Erlernen von Karate-Techniken: Aufrecht der Gewalt widerstehen – in diesem ersten Titel der Karategruppe spiegelte sich all dies wieder.

Niemand von uns damaligen etwa 15 Anfängern hätte sich gedacht, dass aus den ersten (und ich gestehe: recht holprigen) Übungen ein großer schwullesbischer Karateverein werden sollte mit mehr als 50 Mitgliedern, der mittlerweile schon Braungurtträger hervorgebracht hat. 

Heute ist Bushido aus der schwullesbischen Sportszene Münchens nicht mehr wegzudenken. Der Verein organisiert internationale Zusammenkünfte der schwullesbischen Karategruppen aus ganz Europa in München, er beteiligt sich aktiv am schwullesbischen Leben der Stadt, nimmt am CSD teil und – was besonders wichtig ist – er bereichert auch die allgemeine Münchner Sportlandschaft durch die Teilnahme an Wettkämpfen, Trainingswochenenden des Karatebundes und lädt die doch eher heterosexuell geprägten Karatevereine Münchens zu den schwullesbischen Events ein. Für diese wirkungsvolle und freundliche Werbung für schwullesbische Gleichstellung auch im Sport gebührt Bushido e.V., seinen Mitgliedern und Vorständen herzlicher Dank und Anerkennung.

Ich möchte mich aber auch persönlich bei Bushido bedanken. 
Von Anfang an zeichnete den Verein eine wirklich seltene Freundlichkeit aus, ein respektvoller, auch liebevoller Umgang miteinander und ein sich gegenseitiges Tragen auch in schwierigen Situationen. Die oft so üblichen und anstrengenden Zickigkeiten des Vereinslebens blieben aus, selbst die Vorstandstätigkeit war für mich weniger Arbeit als mehr das Vergnügen, mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen für eine sinnvolle Sache und liebe Menschen etwas tun zu dürfen.

In meinen etwa 10 aktiven Jahren bei Bushido sind viele neue Mitglieder gekommen. Viele von ihnen sind eine lange Zeit geblieben und es war eindrucksvoll, wie sehr die Trainingsgruppe und die Philosophie des Karate-Do Menschen in ihrer Entwicklung bestärken und befördern konnte. Selten habe ich eine solidarischere und akzeptierendere Gruppe erlebt als die Mitglieder von Bushido. Das hat mir gut getan und es war und ist für viele wichtig.

Einen aufrechten Gang zu erlernen, ist nicht nur eine Frage der Muskelbildung (auch wenn dies in der schwulen Gemeinde manchmal gerne verwechselt wird). 
Aufrecht der Gewalt zu widerstehen ist eine Frage der inneren Haltung und des äußeren Gehaltenseins. Es braucht Selbstakzeptanz, Freundschaft und Solidarität.
Für all dies ist bei Bushido viel Raum!  

Dafür herzlichen Dank, sicher auch im Namen aller, die davon in ihrem Leben bereichert wurden.

Andreas Unterforsthuber

Meike

Nach 18 Jahren Fußball eine neue sportliche Herausforderung!

Rudi

Ich trainiere seit über 40 Jahren Karate im Deutschen-Karate-Verband (DKV). Nach meinem schwulen Coming Out kam ich vor ein paar Jahren nach München und entdeckte auf der Suche nach einem Karate-Dojo Bushido, wo ich jetzt als "Seiteneinsteiger" seit 2001 Mitglied bin. Bei Bushido fand ich nette Leute, eine tolle Atmosphäre und ein Karate-Do, das an Vielfalt und Qualität höchste Ansprüche erfüllt. Für mich ist Karate mehr als Sport und Selbstverteidigung; es ist "der Rote Faden" in meinem Leben, durch den ich - trotz mancher Erfahrung und meiner 50 Lenze - immer wieder Neues erfahren darf.

Peter

An Karate gefällt mir, dass neben dem Körper auch der Geist trainiert wird und sich im Laufe der Entwicklung immer neue Herausforderungen ergeben.

Christian

Ich habe in meiner Kindheit schon mit den Kampfkünsten geliebäugelt, bin aber nie dazu gekommen. Nach meinem Umzug suchte ich dann einen Sport zum Ausgleich für meinen Büro-Job. Doch es war wohl mehr Zufall, dass ich auf die Werbung für den Anfängerkurs damals stieß. Da hielt mich nichts mehr und ich hab beim Anfängerkurs mitgemacht. War ein riesiger Spaß, auch wenn ich am Anfang eher das Gefühl hatte, ich stolpere mehr über meine eigenen Füße, als dass ich eine Technik hinbekomme. Aber der Tatendrang und das Gruppengefühl verhalfen uns zu Fortschritten.
Ich konnte mich dann nicht entziehen, mehr zu wollen, neue Techniken zu lernen und machte weiter. Man hat zwar immer Bammel vor den Prüfungen, aber das Gefühl danach, es geschafft zu haben, ist unbeschreiblich...
Nicht zuletzt ein Erlebnis der besonderen Art sind die Trainingswochenenden, wo es neben den sportlichen Aktivitäten auch viel Spaß beim geselligen Treiben mit den anderen Mitgliedern gibt.

Michi

Gute Mischung von körperlichem und mentalem Training.