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Karate-Do - Der Weg der leeren Hand 1. Die Wurzeln der fernöstlichen Kampfkünste
Die Wurzeln der fernöstlichen Kampfkünste liegen sehr weit, über 2000 Jahre zurück und lassen sich heute geschichtlich nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren. China kann aber eindeutig als Wiege der asiatischen Kampfkünste gelten, auch wenn wichtige Impulse aus Indien und möglicherweise sogar aus dem europäischen Mittelmeerraum stammen. Die bekannteste Hypothese über die Entstehung der Kampfkünste bezieht sich auf den indischen Mönch Bodhidharma, der den Zen-Buddhismus nach China brachte (zwischen 520 und 530 n.Chr.) und sich im berühmten Kloster Shaolin in Nordchina niederließ. Dort beschritt er mit den Mönchen einen neuen Weg: Er kombinierte das Zazen (Meditation im Sitzen) mit Körperübungen und Atemtechniken zur Stärkung der körperlichen und geistigen Stärkung seiner Schüler. Bald wurden diese Übungen mit bestehenden einheimischen und indischen Kampfformen verbunden. So entstand die chinesische Kampfkunst Ch’uan-Fa (Kung-Fu, japanisch: Kempo), die sich in vielen verschiedenen Stilrichtungen ausbreitete. Die Entwicklungslinie des Karate-Do führte über die Insel Okinawa nach Japan. Okinawa wurde von japanischen Fürsten beherrscht. Aufgrund seiner geographischen Mittellage zwischen den japanischen Hauptinseln und chinesischem Festland stand es unter jahrhundertlangem chinesischem Kultureinfluss. Das chinesische Ch´uan-Fa verband sich mit den auf Okinawa bekannten Kampftechniken zu To-De (später Okinawa-Te genannt). Die berühmtesten Meister waren Sokon "Bushi" Matsumura (1792-1896) und Yasutsune (Anko) Itosu (1832-1916).
2. Die Stilrichtung Shotokan
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die oftmals im geheimen vermittelten Kampfkünste Okinawas öffentlich bekannt. Der Schullehrer, Dichter und spätere Pädagogikprofessor Gichin Funakoshi (1869-1957) bemühte sich um die Integration des Okinawa-Te als ordentliches Lehrfach in Schulen und Hochschulen, weil er von dessen hohem charakterbildenden Wert überzeugt war (siehe Buchtipps). Seine Vorführungen waren so eindrucksvoll, dass er von der japanischen Regierung beauftragt wurde, für ihre Verbreitung im japanischen Erziehungswesen zu sorgen. So baute er mehrere Karategruppen in Universitäten auf. Aufgrund einer wachsenden antichinesischen und nationalistischen Haltung in Japan, sah sich Gichin Funakoshi gezwungen, den Namen der Kampfkunst zu ändern. So ersetzte er ein altes chinesisches Schriftzeichen durch ein phonetisch gleichklingendes. Die Kampfkunst hieß nun Karate-Do (= der Weg der leeren Hand) und enthielt mit dem Wort "kara" (= leer) einen Hinweis auf ihren geistigen Hintergrund. Ziel der Kampfkunst ist Klarheit und Leere: sich von allen (dunklen) Gedanken leer zu machen und den Geist zu klären. Im Frühjahr 1936 konnte Meister Funakoshi eine Schule in Tokio eröffnen und entwickelte eine eigene Stilrichtung. Die Schule erhielt den Namen Shotokan, (= die Schule des Shoto - Shoto bedeutet "Pinienrauschen" und war das Pseudonym, unter dem Gichin Funakoshi Lyrik veröffentlichte). Die Stilrichtung Shotokan zeichnet sich gegenüber anderen Stilrichtungen besonders durch tiefe Stellungen und weite (Beschleunigungswege der) Techniken aus. Die Techniken des Shotokan wurden entwickelt aus der Begegnung mit der Kunst des Bogenschießens. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann die weltweite Verbreitung des Karate-Do. Shotokan ist heute in Deutschland die am weitesten verbreitete Stilrichtung, gefolgt von Wado-Ryu, Goju-Ryu und Shito-Ryu. |
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